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Die Parfumindustrie
Ein Überblick über den Markt

Bis heute ist Frankreich das Land der Mode, hier entstehen die Düfte, Flakons und Tiegel von Marken wie Chanel und Yves St. Laurent. Doch Herstellung und Verkauf haben sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt, auch englische, amerikanische und deutsche Hersteller mischen mit im Markt um die Luxusartikel. Ein Überblick.

Frankreich
Vier der acht größten Parfüm- und Kosmetikhersteller der Welt stammen aus Frankreich. Dazu zählen L'Oréal und der Luxuskonzern LVMH Parfums & Kosmetik in Düsseldorf mit Sitz in Paris. Parfümmarken dieser Gruppe sind Dior, Givenchy, Kenzo. Ebenfalls aus Frankreich stammt Pinault-Printemps-Redoute S.A. Das international tätige Großhandelsunternehmen vertreibt Massen- und Luxusgüter über Filialen oder den Versandhandel vor allem im europäischen Raum. Zu der Firmengruppe gehören unter anderem die Luxusmarken Yves Saint Laurent, Gucci und Yves Rocher.
Das meistverkaufte Parfüm, der Duft No. 5, stammt aus dem Hause Chanel. Das 1974 von den Brüdern Gérard und Alain Wertheimer gegründete Unternehmen gilt bis heute als eine der erfolgreichsten Luxusmarken der Welt.

Amerika und Deutschland
Im Jahre 1989 stieg die weltweit vertretene Procter & Gamble Company in die Kosmetik- und Parfümbranche ein. Der amerikanische Konsumgüter-Konzern mit Sitz in Cincinnati in den USA schaffte seinen Einstieg ins Duftgeschäft mit dem Kauf der Firma Noxell und deren Marken CoverGirl, Noxzema oder Clarion. P&G konnte seine Position im Parfümgeschäft durch die Übernahme von Max Factor und den dazugehörigen Lizenzen für Hugo Boss und Laura Biagiotti festigen. Inzwischen hat die Kölner P&G-Tochter Prestige Products auch die Düfte von Muelhens mit den Marken 4711 und Tosca sowie Wella übernommen.
Seit 2005 werden die Düfte der Cosmopolitan Cosmetics Prestige unter dem Dach Procter & Gamble Prestige Products hergestellt. Insgesamt vertreibt Procter & Gamble 28 Parfümmarken mit mehr als 100 verschiedenen Düften.

England
Der englische Hersteller für Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel Reckitt Benckiser setzt seit den 90er Jahren auch auf das Geschäft mit der Schönheit und kaufte zu diesem Zeitpunkt den amerikanischen Kosmetikkonzern Coty und später Lancaster. Hinter Coty stehen unter anderem Düfte wie Davidoff, Joop oder Chopard.
2006 übernahm Benckiser dazu noch die Duftsparte von Unilever mit den Marken Calvin Klein, Scherer, Chloé und Lagerfeld. Hinter Reckitt Benckiser steht die Familie Reimann. Sie sind eher bekannt als Hersteller von Calgon und Sagrotan, vereinen über die Tochter Coty aber auch Adidas, Esprit und Lancaster.

Deutschland
Hier ist vor allem die Firma Henkel in der Parfümsparte aktiv. Aktuelle Damen- und Herrenparfüms sowie Duftstoffe für Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel aus dem Hause Henkel heißen zum Beispiel Sergio Tacchini, Krizia, Fiorucci und Ferrari. Unter dem Namen Henkel Fragrance Center stellt das Unternehmen seit 1997 jährlich rund 9.000 Tonnen reine Parfümöle her. Von 70 Mitarbeitern am Produktionsstandort Krefeld sind sechs ausgebildete Parfümeure.

Weitere Hersteller
Neben Waschmittelkonzernen und Luxusanbietern gibt es außerdem Distributionsfirmen, wie Puig GmbH (PDH) und das Wiesbadener Unternehmen Nobilis, die mehrere kleine Marken von starken nationalen Anbietern bündeln. Dazu kommen Hersteller aus dem Massenmarkt wie das Stolberger Unternehmen Mäurer + Wirtz sowie Procter & Gamble mit Muehlhens.

Im Hause Faber-Castell werden seit Ende der siebziger Jahre nicht nur Malstifte und Schreibgeräte, sondern auch hochwertige Kosmetikstifte hergestellt für Firmen wie Avon und L'Oréal. Der Konkurrenzbetrieb Schwan-Stabilo mit Hauptsitz bei Nürnberg ist einer der größten Private-Label-Produzenten von Kosmetikstiften und beliefert alle großen Kosmetikfirmen.

Die Kappus-Gruppe, vor über 150 Jahren in Offenbach gegründet, gehört zu den zwei größten Seifenfabriken Deutschlands. Die M. Kappus Feinseifen und Parfümeriefabrik produziert vor allem Handelsmarken, aber auch Kosmetika für viele Parfümhersteller.

Parfümindustrie - eine typisch französische Branche
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Produktion von Parfümstoffen hauptsächlich in Frankreich und Spanien angesiedelt, denn dort wuchsen die notwendigen pflanzlichen Rohstoffe. Noch heute liegt das Zentrum der europäischen Parfümindustrie in der französischen Stadt Grasse im Département Alpes-Maritimes. Mit dem Aufkommen der organischen Chemie wurden zunehmend synthetische Riechstoffe entwickelt, aus deren Herstellung besonders in Deutschland ein wachsender Industriezweig entstand.
Insgesamt 1.100 Düfte sind gegenwärtig im Handel erhältlich. Jedes Jahr kommen 100 bis 200 Neuerscheinungen hinzu, 60 bis 80 von ihnen stammen aus der so genannten Luxuskategorie. 97 Prozent der Neuentwicklungen werden nach wenigen Monaten wieder vom Markt genommen. Übrig bleiben nur wenige Duftklassiker, für die der Parfümliebhaber gerne oft und tief in die Tasche greift.
Deutschland ist nach Angaben des brancheninternen Vereins Fragance Foundation mit rund 790 Millionen Euro Umsatz im Jahre 2005 in der Kategorie Düfte der Luxus- und Prestige nach Amerika und Frankreich der drittgrößte Markt. Insgesamt setzt die Branche 2,5 Milliarden Euro um, für Luxusartikel entspricht das 32 Prozent des Gesamtumsatzes.

Verpackungshersteller
Die Parfümhersteller achten darauf, dass das Parfüm in einer zum Duft passenden Verpackung präsentiert wird. Das hilft den Interessenten, sich in einem Parfümgeschäft leichter zurechtzufinden.
So entwickeln Verpackungshersteller wie etwa die Carl Edelmann in Zusammenarbeit mit international bekannten Marken anspruchsvolles Design für Kosmetik- und Parfümverpackungen.

Vertriebswege im Einzelhandel

  • Mass Market
    Der Vertrieb erfolgt über den Massenmarkt in den Fachabteilungen von Kaufhäusern, in Drogerien und Supermärkten.
  • Selective Market
    Die selektive Distribution findet über autorisierte Fachhändler statt. Dazu zählen Parfümerien und Parfümerieketten. Welche Kaufhäuser oder Parfümerien welche Waren in welcher Form verkaufen dürfen, regeln in der deutschen Schönheitsbranche detaillierte Depotverträge.
  • Die Duty Free & Travel Value
    Dies ist eine Sonderform des Absatzmarktes für Parfüm. Travel Value & Duty Free Shops an Flughäfen und auf Fähren bieten einen Preisvorteil gegenüber dem günstigsten Inlandspreis. Auch nach dem Wegfall von Duty Free innerhalb der EU lockt nun das Nachfolgekonzept Travel-Value mit günstigen Parfüms. Das gilt auch für Reisende innerhalb Deutschlands, hier spart man rund 20 Prozent.
  • Graumarkt
    Der nicht autorisierte Handel mit Luxuskosmetika nennt sich Graumarkt. So erweitern Drogerie-Ketten wie Dm und Bipa ihr Sortiment um Kosmetikprodukten, die sie sich indirekt beschaffen. Auch bei Rossmann und Budni ist zum Teil Parfüm von namhaften Herstellern erhältlich. Die Ketten erhalten die Ware teilweise direkt über den Hersteller. Die Produkte sind qualitativ nicht schlechter, dem Verbraucher steht jedoch ein geringes Sortiment zur Verfügung.

Die wichtigsten Einzelhändler

Douglas
Mit fast 400 Filialen ist Douglas Marktführer in Europa. Das Unternehmen ist präsent in Österreich, Holland, Frankreich, Italien, Schweiz, USA, Spanien, Ungarn, Polen, Russland, Slowenien, Dänemark, Tschechien, Slowakei, Türkei. Bei Parfümmarken der Luxuskategorie erreicht Douglas inzwischen teilweise einen Marktanteil von 40 Prozent bei einem Gesamtumsatz von 1,25 Milliarden Euro. Douglas erhält die höchsten Rückvergütungen in der Branche. Am Jahresende zahlen viele Hersteller einen Bonus von 25 Prozent auf den Einkaufspreis. Damit hat Douglas einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den kleineren Parfümerien.

Stadt-Parfümerie Pieper
Gerd Pieper besitzt heute mit 100 Geschäften die größte Filialkette in Deutschland nach Douglas. Seit dem Gründungsjahr 1931 befindet sich die Parfümerie aus Herne im Familienbesitz und wird als Privatunternehmen durch den alleinigen Inhaber Gerd Pieper geführt. Sortiment und Geschäftspräsentation sind vor allem auf Städte in Nordrhein-Westfalen ausgerichtet. Zusätzlich wurde im Jahre 2000 die Parfümerie Hamburger Hof von Gerd Pieper übernommen. Pieper erhält ähnlich hohe Rückvergütungen wie Douglas.

Schwanen-Parfümerien Willi Becker
Mit 46 Filialen und über 300 Mitarbeitern gehört die Schwanen-Parfümerie heute zu den größten privaten Parfümerieunternehmen im Rheinland. 1897 von Jakob Wilhelm Becker als Drogerie in Neuss gegründet, zählt sie inzwischen auch zu einer der führenden Parfümerien in Deutschland.

Beauty Alliance/Parma-Aurel
Die Beauty Alliance ist eine Kooperation von 200 privaten Parfümerien in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und Italien. Die älteste der drei Ursprungskooperationen der Beauty Alliance, die Aldro, wurde 1967 in Rendsburg gegründet. Aus der Fusion von Parma-Aurel und Intercos im Jahre 2005 entstand Beauty Alliance Deutschland. Als erste deutsche Verbundgruppe betreibt sie inzwischen mehr als 950 Standorte.

TopCos Parfümerie-Gruppe
TopCos mit Sitz in Hockenheim ist eine bundesweit tätige Kooperation für den Parfümeriefachhandel mit Sitz in Hockenheim. Über 320 Fachparfümerien sind der Verbundgruppe bereits angeschlossen.

Kaufhäuser
Sehr wichtig für die Parfümhersteller sind Verkaufsstände in großflächigen Einzelhandelsgeschäften. Integrierte Abteilungen in großen Kaufhäusern werden von den Parfümhäusern zur Untermiete genutzt. Wichtige Standorte in Deutschland sind vor allem das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) und die Galeries Lafayette, das Alsterhaus und Karstadt Mönckebergstraße in Hamburg sowie Oberpollinger (Karstadt) in München.

Gebr. Heinemann
Gebrüder Heinemann aus Hamburg ist führender Anbieter von Duty-Free-Shops, Travel-Value Shops und Parfümerien auf Flughäfen in Deutschland. Ausnahmen: Stuttgart, München, Nürnberg und Bremen. Unter dem Vertriebskonzept "Beauty Port" betreiben Gebrüber Heinemann Parfümeriefilialen mit Inlandspreisen im sog. Inlandsbereich, also dem Bereich, der frei zugänglich ist.

Drogeriemärkte
Der Drogeriemarkt Rossmann ist mit rund 14.000 Mitarbeitern und 1.260 Verkaufsstellen die Nummer drei der großen Drogerieketten in der Bundesrepublik. Das inhabergeführte Unternehmen mit Firmensitz in Burgwedel bei Hannover verzeichnet 2006 einen Gesamtumsatz von 2,222 Milliarden Euro. Auch das Hamburger Traditionsunternehmen Iwan Budnikowsky bietet ein umfangreiches Angebot an Parfüm. Die Drogeriekette Budni wurde 1912 in Harburg gegründet und besitzt heute über 90 Filialen in und um Hamburg.

(sd/jb)

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